Kaponya Zoltán
Der ‚Halbgott’, der ‚Teufel’ und der ‚Vater’ in einer Person. Der Charakter des Herzogs in Schillers Drama Wallensteins Lager.

 

1. Problemstellung

Friedrich Schillers Wallenstein-Trilogie bildet ohne Zweifel einen Höhepunkt der deutschen klassischen Dramenliteratur. Die mühe– und qualvolle Arbeit, die Angst vor der dramatischen Bearbeitung der historischen Quelle sind in Schillers Korrespondenz mit Goethe, Humboldt, Körner zu verfolgen. Das Ringen mit dem riesigen Stoff, die Verzweiflungen und Schwierigkeiten sind nicht nur im Briefwechsel, sondern auch in einer Novelle zu lesen: Thomas Manns Schwere Stunde aus dem Jahre 1905 thematisiert die literarische Auseinandersetzung Schillers mit Wallenstein und dem Dreißigjährigen Krieg.
Die Trilogie hat eine außerordentliche Wirkung nicht nur in ihrer, sonder auch in der Nachfolgezeit errungen, und paralell damit eine Fülle von Deutungschwierigkeiten gezeitigt. Über die Problematik des Charakters des Titelhelden Wallenstein entstanden zahlreiche fachliterarische Studien, die die Problematik auf je andere Art mit je anderen Mitteln zu lösen versuchen. Helmut Koopmanns Schiller-Biographie liefert einen knappen Einblick in diese Vielfalt an Interpretationen [1]. Die meisten Deutungen beschränken sich darauf, den Charakter des Herzogs anhand der zwei ‚Hauptteilen’ der Trilogie – Die Piccolomini und Wallenstiens Tod – zu interpretieren, die Funktion des ersten Teiles ganz außer Acht lassend. Diesem Teil wird ‚nur’ die Aufgabe eines Vorspiels zugeschrieben, und damit wird er auf die Stufe einer Charakterexposition ‚degradiert’ [2].
Diese ‚Betrachtung’ bestimmt das Ziel der vorliegenden Arbeit. Im folgenden wird der Versuch unternommen, Wallensteins Lager aufgrund der Charakterisierungsperspektiven von Wallensteins Figur zu analysieren und die ‚akzeptierte’ Funktion des Werkes zu überprüfen.
Das Lager wurde anhand der Charakterisierungsperspektiven in drei Teile aufgeteilt, die voneinander abgetrennt beabeitet werden. Die Ergebnisse der Analysen wurden in dem letzten Kapitel zusammengefasst und die problematischen Fälle erörtert.
Bevor die Analyse ihren Lauf nimmt, wird festgehalten, daß der Begriff Charakter – sowie die anderen Termini – im Sinne von Bernhard Ausmuths Dramentheorie verwendet werden. [3]


2. Über die Funktion des Lagers in der Trilogie

Auf Goethes Rat hat Schiller zu seinem Wallenstein-Drama einen weiteren Teil hinzugefügt, das Lager. Man erkennt sofort, welche Funktion dieser Teil erfüllt. Er führt das Publikum in die Geschehnisse des Dreißigjährigen Krieges ein und demonstriert, wie sich die Soldaten und die Bauern in diesem Krieg verhalten.
Wie Benno von Wiese so treffend behauptet, ist die Situation ein „[…] malerischer Querschnitt durch das gesamte militärische Leben des 30 Jährigen Krieges […]“ [4]. Das Leben und die Verhältnisse sieht man durch die Augen der Soldaten, Bauern, Bürger, die alle Dulder und Opfer des Krieges sind. Aus dieser Schicht besteht die unterste Ebene im Drama bzw. in der Trilogie, während die Offiziere und Generäle eine höhere Ebene bilden, und an der Spitze dieser Hierarchie stehen Wallenstein und der Kaiser.[5]
Diese – unterste – Ebene besteht aus namenlosen Figuren, die dramatisch gesehen Typen sind. Sie verkörpern nur eine Eigenschaft, und haben dadurch ihre Rolle im Werk: die Grundstimmung der Zeit und der Situation wiederzugeben. Unter ihnen sind zwei Gruppen zu unterscheiden.
Die erste Gruppe besteht aus Bürgern und Bauern, sie bilden die Bevölkerung des Landes, wo das Heer stationiert. Sie sind die eigentlichen Verlierer des Krieges, egal, ob ihre Armee gewinnt oder verliert, sie werden sowieso ausgeplündert und ihres Besitzes entkleidet. Solche Figuren sind z. B. der Bauer mit seinem Sohn, der nichts anderes tun kann, als mit falschen Würfeln zu spielen, um etwas zu essen zu besorgen; die Bürger, die die Soldaten in dieser verwüsteten Welt als melkende Kühe betrachten [6] und der Soldatenjunge, der ohne Vater aufwachsen muß.
Die andere Gruppe bilden die Soldaten, die ‚Bewohner des Soldatenreiches‘, die eine größere Aufgabe in diesem Teil haben, als den Greuel und die Leiden zu verkörpern. Ihre Handlungen, Diskussionen und Gedankenaustäusche sind die wichtigsten Faktoren für die Charakterforschung.
Nach der Funktion sei das Lager eine Ouvertüre, eine Charakter- und Handlungsexposition [7], aber das Wort Charakterexposition sollte in diesem Sinne präzisiert werden. Das Werk könnte als eine Exposition aufgefasst werden, wenn es beschrieben würde, wie der Herzog auftreten wird, wie seine Eigenschaften und Pläne sind, also die Exposition sollte eine konkrete Beschreibung enthalten oder mitteilen, damit die Zuschauer Vorkenntnisse bilden könnten. Aber hier ist es nicht der Fall: Wallenstein wird aus einigen Perspektiven charakterisiert, aber die hier erkannten Eigenschaften sind nicht identisch mit denen, die in den zwei anderen Teilen der Trilogie vorkommen. Eine Charakterexposition wäre hier auch nicht möglich, der Herzog kann nämlich nicht einmal sich selbst beschreiben /wie in I/4 Wallensteins Tod/, geschweige denn die hier auftretenden Figuren, die ihn nur nach den Sagen und Gerüchten kennen. Seine Pläne und Eigenschaften bleiben bis zum Ende des Werkes aufgrund des Zögerns und der Mehrdeutigkeit seiner Figur ungeklärt. Die zahlreichen Analysen und Interpretationen konnten keine eindeutige Erklärung aus dem ganzen Werk geben, so ist es nicht zu empfehlen, im Falle eines so widersprüchlichen Charakters über Exposition zu sprechen.


3. Der ‚Halbgott‘. Die ‚legendenhafte‘ Seite Wallensteins
Im lärmenden Leben des Lagers bildet sich ein Gespräch im Kreis der Soldaten heraus, an dem immer mehr Menschen teilnehmen. Das Thema der Diskussion besteht in der Beschreibung des alltäglichen Lebens des Krieges: die Berichte der Soldaten über den Krieg, das Elend der Bauern; und was aus dramenanalytischem Aspekt aus hier das Wichtigste ist: hier entfalten sich einige Züge des Charakters des Herzogs. Bis zum achten Auftritt des Werkes erfährt man eine Menge Informationen über den Feldherrn, die fast nur positive Eigenschaften widerspiegeln [8]. Dieser ‚Positivität’ wird nur im achten Auftritt durch die Rede des Kapuziners ein Ende gesetzt.
Die ersten wichtigen Informationen stammen in der zweiten Szene von dem Trompeter und von dem Wachtmeister. Es kann kein Zufall sein, daß sie doppelte Belohnung bekommen haben, daß sie sich mit den anderen Regimentern vereinigen sollen und die Familie Wallensteins im Lager ankommt. Die Erscheinung des kaiserlichen Boten Questenbergs (Und von Wien die alte Perücke, […] mit der guldenen Gnadenkette […] /V.69-72/) [9] ist auch kein gutes Omen. All diese Fakten weisen darauf hin, daß der Kontakt zwischen Wallenstein und dem Kaiser nicht wolkenlos sei, die Kaiserlichen

Wachtmeister. […]
Fürchten des Friedländers heimlich Gesicht.
Er ist ihnen zu hoch gestiegen,
Möchten ihn gern herunter kriegen. /V.78-80/

Diese Zeichen beziehen sich auf eine bevorstehende Ablösung Friedlands, weil er für den kaiserlichen Hof eine drohende Gefahr bedeutet. Wegen seiner Macht hat der Herrscher des habsburgischen Reiches Angst vor ihm, deshalb will er ihn seines Amtes entheben. Sein „heimlich Gesicht“ bezieht sich darauf, daß niemand weiß, was er mit seiner gefährlichen Macht tun wird, und eben in Wallensteins ‚Unberechenbarkeit’ wurzelt die Angst des Kaisers, die die erste Eigenschaft des Herzogs bildet.
Nach der Auffassung des Ersten Jägers unterscheidet die Uniform nicht, wer zu dem Heer des Herzogs gehört, sondern das Verhältnis zum Soldatenleben. Die Persönlichkeit des Soldatenvaters bedeutet einem jeden Kämpfer ein Vorbild, weil

Wachtmeister. […]
Der feine Griff und der rechte Ton,
Das lernt sich nur um des Feldherrn Person. /V.205-206/

Dieses ‚Vorbild’ ist auch ein Genie, das einen besonderen Geist hat. /Aber sein Genie, ich meine sein Geist, […] V.210/ Wenn sie ihn Genie und Vorbild nennen, muß er in ihren Augen Kenntnisse und Eigenschaften haben, wodurch er sich von den Alltagsmenschen unterscheidet. Dieser Faden wird in den weiteren Gesprächen weitergesponnen, wo man über seine Taten redet.
Ein anderes Bild bekommt man von dem Ersten Jäger, dessen Lebensgeschichte über die Gestalt des Herzogs weitere Informationen liefert. Der Jäger verließ die Schule und wurde mit großen Hoffnungen zum Soldaten, aber in den Jahren im Heer Gustav Adolfs und später auf der kaiserlichen Seite hat er nur Enttäuschungen erlebt. Er hoffte auf ein abenteuerliches Leben, das er erst unter Tillys Kommando erlebte.

Erster Jäger. […]
Alles da lustiger, loser ging,
Soff und Spiel und Mädels die Menge!
Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,
Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren. /V.271-274/

Aber seine Erwartungen konnte nur das Heer Wallensteins erfüllen. Friedland kommt schon wieder als ein Vorbild vor und als das Triebwerk des ganzen von ihm geschaffenen militärischen Staates, wo alles nach den Kriegssitten funktioniert. In dieser – mit bürgerlichen Augen betrachtet – ‚barbarischen‘ Welt haben die Soldaten ihre Heimat gefunden, wo das ganze Korps – mit den anderen sich nicht beschäftigend – frei und hemmungslos leben kann, wie es ihr Idol so ‚vorbildhaft‘ tut.

Erster Jäger. […]
Da tret ich auf mit beherztem Schritt,
Darf über den Bürger kühn wegschreiten,
Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt. /V.312-314/

In dieser Welt ist ihnen alles erlaubt, sie haben keine Verpflichtungen, wie die Ausübung der Religion, wie es der Erste Jäger bei Gustav Adolf erlebt hat? ihre einzige Pflicht besteht im Dienst der Fahne, die in diesem Fall in Wallensteins Händen liegt. Diese Freiheit und Ungebundenheit – die sie warscheinlich in keinen anderen Heeren genießen könnten – kann eine große Rolle bei der Entscheidung am Ende des Dramas spielen.

Erster Jäger. […]
Was nicht verboten ist, ist erlaubt?
Da fragt niemand, was einer glaubt.
Es gibt nur zwei Ding‘ überhaupt:
Was zur Armee gehört und nicht?
Und nur der Fahne bin ich verpflicht‘. /V.319-323/

In der kommenden Äußerung werden zwei weitere Seiten des Herzogs beleuchtet. Die eine wäre der Gegenstand der Machtpolitik, ob er wirklich ein Knecht ist, oder viel mehr. Es ist die erste Stellungnahme, worüber sie sich nach der Rede des Kapuziners Gedanken machen. Eine gewisse Hierarchie ist zwischen dem Herzog und dem Herrscher noch zu beobachten, also die eigentliche Macht hat Wallenstein vom Kaiser bekommen, um ihm zu dienen. Deshalb wird die Machtfrage der Soldaten mit einer ‚Herr–Knecht–Beziehung‘ bzw. Abhängigkeit beantwortet. Aber hier wird auch eine böse Seite Friedlands bekannt gegeben: der Jäger stellt ihn als eine Persönlichkeit dar, die die Macht des anderen mißbraucht, um seine eigenen Ziele – sogar vor den Greueltaten nicht erschreckend – zu erreichen. Dieses einzige Bild kann als eine Ausnahme in diesem Teil aufgefasst werden, diese Aussage passt nämlich in die Perspektive der ‚Vergötterung’ nicht hinein. Es ist umso wichtiger, daß dieses Bild nicht mehr im Drama vorkommt.

Erster Jäger. […]
Der führt‘s Kommando nicht wie ein Amt,
Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt! [10]
Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst –
Was bracht‘ er dem Kaiser für Gewinst?
Was hat er mit seiner großen Macht
Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?
Ein Reich von Soldaten wollt‘ er gründen,
Die Welt anstecken und entzünden,
Sich alles vermessen und unterwinden - /V.326-328/

„Diese Ansicht spielt der Gegenseite Argumente zu, daß in diesem Kriegsstaat weder Zucht noch Maß, nur moralische Anarchie herrsche, und daß hier die Macht ohne legale Bindung Selbstzweck wurde.“[11]
Im Weiteren wird die ‚legendenhafte und geheimnisvolle’ Seite Wallensteins vorgeführt. Diese Feststellungen sind gar nicht realitätsbezogen, aber die Erzählungen und Beschreibungen zeigen den Respekt und die Verehrung, die die Soldaten für den Friedländer hegen. All seine Unverletzbarkeit und seine militärischen Erfolge werden auf ein Bündnis mit falschen Mächten zurückgeführt, mit deren Hilfe er seine Ziele verwirklichen konnte.

Zweiter Jäger. […]
Doch unter des Friedländers Kriegspanieren
Da bin ich gewiß zu viktorisieren.
Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.
Wer unter seinem Zeichen tut fechten,
Der steht unter besondern Mächten.
Denn das weiß ja die ganze Welt,
Daß der Friedländer einen Teufel
Aus der Hölle im Solde hält. /V.347-354/

Die legendären Eigeschaften werden mit einer Geschichte über seine Unverletzbarkeit in der Schlacht bei Lützen verstärkt. In dieser Erzählung versteckt sich ein einziges Wort, das in Bezug auf die Charakterisierung bzw. auf die Erklärung der Charakterbeschreibung entscheidend sein kann.

Wachtmeister.
Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel. /V.354-355/
/hervorgehoben von mir: Z.K./

Das Wort „fest“ kann in diesem Satz zwei Bedeutungen haben. Die erste Option bezieht sich nur auf die körperlichen Eigenschaften Friedlands, daß man ihn in der Schlacht nicht erschießen konnte [12]. Aber das kann sich auch auf die inneren Eigeschaften beziehen, also nach diesen Worten haben wir es hier mit einer Persönlichkeit zu tun, die immer weiß, was er will, er ist entschlossen und verfügt über einen starken Willen. Wenn diese zweite Möglichkeit akzeptabel zu sein scheint, dann wird die Feststellung im Kapitel Einführung verstärkt, daß im Lager über keine Charakterexposition gesprochen werden kann, nämlich seine Unentschlossenheit und sein Zögern bis zum Dialog mit der Gräfin Terezky andauert, /I.7. WallensteinsTod/ nach dem er sich endlich zum Bündnis mit den Schweden entschließt. Im Gespräch mit Questenberg /II.7. Piccolomini/ widersetzt er sich der Anordnung des Kaisers, und als er mit Wrangel akkordiert /I.5. Wallensteins Tod/, akzeptiert er die Forderungen der Schweden nicht. Tut eine ‚feste‘ Figur sowas?
Das letzte Charakteristikum, worauf die Soldaten vor dem Auftritt des Kapuziners reflektieren, ist die ‚Schlauheit’. Wallenstein konnte deswegen zum großen und mächtigen Feldherrn avancieren, weil er erkannte, daß der Krieg seinen Interessen dient, also er strebt danach, ihn so lange aufzuhalten, wie es nur möglich ist. Seine Erhebung zum zweiten Menschen des Reiches konnte nur in diesen Zeiten erfolgen, und was er unter bestimmten Verhältnissen noch erreichen kann, steht in der Ferne, und gerade deshalb hat der Kaiser Angst vor ihm. Seine Männer sind darüber vollkommen im Bilde, daß er wegen der Vergrößerung seiner Macht die Kriegszeiten aufzuhalten beabsichtigt, die eigentlich auch den Interessen der Soldaten dienen, aber das sehen sie erst nach der Rede des Kapuziners ein. Schon als Student verfügte Wallenstein über die Schlauheit, wie die kleine Geschichte von dem Ersten Jäger demonstriert. Nicht nur die Geschichte selbst, sondern deren Schlussworte sind für die Analyse wichtig.

Erster Jäger. […]
Unter des Herrn großen Taten allen
Hat mir das Stückchen besonders gefallen. /V.470-471/ /hervorgehoben von mir: Z.K./

Die Fügung „große Taten“ bezieht sich darauf, daß sie noch andere Legenden über den Herzog kennen, in denen er ihnen als groß vorkommt, welche seine charismatische und respektvolle Persönlichkeit weiter verstärken.
Zusammenfassend ist es zu behaupten, daß diese Perspektive bzw. die erste ‚Begegnung‘ – abgesehen von den unpassenden Äußerungen des Ersten Jägers – mit dem Herzog positive Charakteristika widerspiegelt, die seine ehrenvolle Person preisen. Es ist hier noch zu erwähnen, daß er in der Machtfrage noch (!) als der Diener des Herrschers vorkommt, welche Überzeugung nach der Rede des Kapuziners durchdacht wird. Es ist sofort zu merken, daß diese Perspektive eine ‚barbarisch‘ einfache Weltsicht seitens der Mitglieder des Soldatenstaates demonstriert.

4. Der ‚Teufel‘. Die rhetorische Analyse der Rede des Kapuziners

4.1 Einführung und Zielsetzung
In diesem Kapitel kommt es zu einer rhetorischen Analyse der Rede des Kapuziners. Diese Analyse beabsichtigt zu bestimmen, durch welche rhetorischen Mittel die Figur des Herzogs Wallenstein geschildert wird. Die Verwendung der rhetorischen Topoi bilden in diesem Fall ein figurencharakterisierendes Mittel: hier wird die Figur des Friedländers duch die Augen eines Mönches beleuchtet, also ein gebildeter und inteligenter [13] Mann wird sich über ihn äußern.
Die Analyse kann sich nicht auf diejenigen Teile der Rede beschränken, die Wallenstein beschreiben, in diesem Fall ist also eine vollständige Analyse zum Verständnis der Charakterisierung unerläßlich.
Zwischen dem rhetorischen Sprechen und dem dialogischen Sprechen des Dramas gibt es Paralellitäten: „Beide wollen das situationsverändernde Einwirken durch Worte […]“ [14] erreichen, und diese Erscheinung tritt im klassischen Drama recht häufig auf. [15]
Vor der Analyse wird festgehalten, daß die verdeutschten rhetorischen Termini nach Heinrich F. Plett verwendet werden. In der Analyse wird zuerst das Logos bearbeitet, also die Bestimmung der Redegattung, die Struktur /dispositio/ und die sprachliche Gestaltung der Rede /elocutio/ . In den zwei weiteren Unterkapiteln werden die Ethos– und Pathos–Strategien thematisiert.


4.2 Die Logos-Strategie [16]
4.2.1 Bestimmung der Redegattung (genera orationis [17])
Nach den drei traditionellen Redegattungen ist die Rede des Kapuziners nicht eindeutig einzustufen, sie befindet sich zwischen Gerichtsrede /die judiziale Gattung[18] / und Lobrede–Tadelrede /die epideiktische Gattung[19] /. Die Rede beinhaltet viele Mekmale der vorerwähnten zwei Gattungen, aber diese Charakteristika lassen keine passende Identifizierung bzw. Zuordnung zu.
Der Redner will erreichen, daß die Soldaten ein anderes Bild über Wallenstein bekommen und dadurch werden sie ihre Meinung verändern. Dieser Beweis geschieht durch Tatsachen aus der Vergangenheit, wie bei der Gerichtsrede. Aber es kann keine Gerichtsrede sein, weil der Ort kein Gericht ist und die Soldaten sind keine Richter.
In der Rede gibt es Äußerungen, die sich auf die Gegenwart beziehen, wie z. B. die Beschreibung der Umstände im Lager oder die Charakterisierung des Herzogs. Tatsächlich entstammen diese Bilder der Gegenwart, aber sie bilden nur einen Teil der Rede, in den anderen Teilen dominieren die vergangenen Elemente. Am Ende der Äußerungen ist das Ziel des Kapuziners gewesen, die Soldateska vor die Entscheidung zu stellen, um sie dem Herzog abspenstig zu machen, man kann also diese Rede nicht nur in einer Gesellschaft genießen [20], sondern hier wird man zum Nachdenken und zur Meinungsbildung bewegt und gezwungen.
Zusammenfassend ist es zu behaupten, daß sich in diesem Fall die Einstufung der Redegattung wegen der Zeitebenen und der Absicht des Redners nicht möglich ist.
4.2.2 Dispositio [21] (die Stuktur der Rede)
In diesem Abschnitt wird der Aufbau untersucht, um zu bestimmen, welchen Teil die Figurencharakterisierung in der ganzen Rede bildet, und was für eine Funktion sie hat.
Dieser Strukturtyp entspricht der klassischen Rede [22], weil sie aus den folgenden Teilen besteht: exordium, narratio, argumentatio, aber wegen der Umstände und der Situation kann peroratio [23] nicht erfolgen. Aber hier kann man Zusammenhänge mit der Predigt finden, die die Rede auch beeinflussen. Eine solche bestimmende Komponente ist die Religiosität. Während der ganzen Argumantation – in der die religiösen Elemente dominieren – hat man das Gefühl, daß der Kapuziner den Soldaten über die Sünden predigt. Man neigt zur Feststellung, daß diese Rede zwischen der klassischen Rede und der Predigt steht, deshalb wird im Folgenden der Terminus Rede verwendet werden.
4.2.2.1 Exordium [24] (Einleitung)
Der Redner formuliert die Einleitung mit Ausrufen und Anreden an die Soldaten, womit es ihm gelungen ist, die Aufmerksamkeit auf sich zu rufen. Obwohl die Regieanweisung keine Information gibt, wie er sich äußert, aber es läßt sich vermuten, daß diese Worte laut ausgesprochen wurden, weil die Situation /Tanz, Musik, Lärm/ einen hohen Ton erforderlich macht.

Kapuziner. Heisa, juchheia! Dudeldumdei!
Das geht ja hoch her. Bin auch dabei! /V.484-485/

4.2.2.2 Narratio[25] (Erzählung)
Die Erzählung hat die Aufgabe, „[…] den Hörer/Leser kurz, klar und glaubhaft über den Sachverhalt [zu] informieren“ [26] und den Beweis vorzubereiten.
Die kommenden Sätze gehören schon zur Erzählung. Sie verfügen über rhetorische Fragen, die das Thema der Rede bekanntgeben und paralell damit dienen sie zur Steigerung der Aufmerksamkeit.

Kapuziner. […]
Ist das eine Armee von Christen?
Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?
Treibt man so mit dem Sonntag Spott,
Als hätte der allmächtige Gott
Das Chiragra, könnte nicht dreinschlagen?
Ist‘s jetzt Zeit zu Saufgelagen?
Zu Banketten und Feiertagen?
Quid hic statis otiosi?
Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?
[…] /V.486-494/

Schon aus diesen Zeilen ist es ersichtlich, daß der Kapuziner seine Rede auf das Verhalten der Krieger und auf das Religionsproblem aufbauen wird. Die weiteren Teile haben die Erörterung und die Aussatzung der vorerwähnten Komponenten zum Gegenstand.
Die Fortführung besteht aus Aussagesätzen, die die aktuellen politisch–militärischen Umstände beschreiben: das Elend der Orlogszeiten, die negativen Veränderungen infolge des Krieges, die Faulheit der Soldaten, die nur tanzen und trinken anstatt zu kämpfen. Es ist in diesem Teil sehr wichtig, daß die Greueltaten und die Armut des Volkes auf die Soldaten zurückgeführt werden, weil sie die sog. ‚Zielgruppe‘ bilden, in der das Schamgefühl geweckt werden sollte [27].

Kapuziner. […]
Die Kriegsfuri ist an der Donau los,
Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,
Regenspurg ist in des Feindes Krallen,
Und die Armee liegt hier in Böhmen,
Pflegt den Bauch, läßt sich‘s wenig grämen,
Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg
Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel
Hetzt sich lieber herum mit der Dirn‘,
Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.
Die Christenheit trauert in Sack und Asche,
Der Soldat füllt sich nur die Tasche.
Es ist eine Zeit der Tränen und Not,
Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
Und aus den Wolken, blutigrot,
Hängt der Herrgott den Kriegsmantel runter.
Den Kometen steckt er wie eine Rute
Drohend am Himmelsfenster aus,
Die ganze Welt ist ein Klagehaus,
Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,
Und das römische Reich – daß Gott erbarm!
Sollte jetzt heißen römisch Arm,
Der Rheinstrom ist worden zu einem Peinstrom,
Die Klöster sind ausgenommene Nester,
Die Bistümer sind verwandelt in Wüsttümer,
Die Abteien und die Stifter
Sind nun Raubteien und Diebesklüfter,
Und alle die gesegneten deutschen Länder
Sind verkehrt worden in Elender - […]. /V.495-522/

4.2.2.2.1 Kürze, Klarheit, Glaubwürdigkeit
Diese drei Bedingungen müssen unbedingt für eine Rede stimmen, damit sie erfolgreich ablaufen kann. Schon im Altertum hat Aristoteles diese drei Komponenten voneinander unterschieden, und ein guter Redner legt viel Wert auf diese Forderungen.
Was die Kürze anbelangt, ist diese Erzählung entsprechend, nämlich hier werden nur diejenigen Erscheinungen beschrieben, die mit dem Beweis zu tun haben, diese Erklärungen üben keine direkte Wirkung auf die Meinungsbildung bzw. Beurteilung aus.
Heinrich F. Plett [28] setzt im Bereich der Klarheit voraus, daß diese Vorbereitung des Beweises eindeutig und verständlich sein müsse. In diesem Fall stimmt diese Forderung, dem Leser ist es sofort klar, daß der Kapuziner eine Kritik an dem Soldatenstaat [29] ausüben will, und diese Kritisierung zieht einen Tadel nach sich. Aber es war nicht nur die Intention des Mönches, die Soldaten zu schmähen, er will auch seine Ziele durch diese Kritik erreichen. [30]
Die Glaubwürdigkeit muß nicht objektiv sein, sie ist eher subjektiv, und sie hängt immer von den Interessen bzw. von den Zielen des Redners ab [31]. Es soll nicht das Vorhaben des Redners gewesen sein, eine konkrete und exakte Beschreibung zu geben, aber er hätte auch nicht übertreiben dürfen, nämlich wenn die Bilder trügen, wird er von dem Publikum nicht akzeptiert [32]. Hier will der Kirchenmann mit diesen Bildern das Publikum erschrecken, also diese Komponenten dienen affektischen Zielen, aber dieses Vorhaben wird im Kapitel Pathos erörtert.
4.2.2.3 Argumentatio [33] (Beweis)
Der Beweis hat die bedeutendste Rolle in der Figurencharakterisierung. Durch diese Analyse ist zum Vorschein gekommen, daß die Beschreibung Wallensteins kein primäres Ziel des Redners war, sondern nur ein Mittel des Beweises.
Während der ganzen Agitation hat der Kapuziner die Soldaten beschimpft. Dadurch wollte er erreichen, daß sie die Lage erkennen und sie werden auf die Seite des Kaisers übertreten. Nach den in der Erzählung gegebenen Beschreibungen kommt ihre Erklärung. Es wird klar, daß die Beschimpfung kein Ziel, sondern ein Mittel gewesen ist, weil in diesem Beweis der Redner versucht, die Krieger von den Sünden freizusprechen. Dazu benennt er, was die Soldaten verändern sollten. Sie sollten den Namen Gottes nicht in den Mund nehmen und sie dürften das Volk nicht ausplündern bzw. nicht stehlen. Um den richtigen Weg zu zeigen, gibt er den Flacks Beispiele und Vorbilder aus der Bibel, wie z. B. König David oder Josua.
Die letzten Sätze beziehen sich eindeutig darauf, daß die Soldaten nur indirekt schuldig sind, sie verkörpern die Glieder in diesem militärischen System und der Hauptkriegsverbrecher ist der „Soldatenvater“ /V.1034/, Wallenstein. An diesem Punkt verwendet der Redner die sog. Staatskörpermetapher [34], die den Ausgangspunkt zur Charakterisierung und gleichzeitig zum Streit bildet.

Erster Jäger.
Herr Pfaff! Uns Soldaten mag Er schimpfen,
Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen. /V.595-597/

Nach dieser Aussage (Aufforderung) beginnt die Beschreibung des Herzogs mit Metaphern und mit negativen Attributen. Da der Beweis gestört wird, kann der Mönch seine Rede nicht beenden, und deshalb kann sie mit der Peroration nicht abgeschlossen werden. Aber der Kapuziner hätte in dieser Situation die Möglichkeit gehabt, seine Ziele zu erreichen, wenn er ein guter Redner gewesen wäre. Die Staatskörpermetapher löste eine solche Reaktion aus, die der Kirchenmann nicht mehr kontrollieren konnte, und er wählt das Schlimmste, was er in dieser Situation wählen konnte: er geriet in Konflikt mit den betrunkenen Kriegern, und das bedeutet das Ende seiner Rede, also sie bleibt unabgeschlossen.
Mit der Beschreibung bzw. mit dem Tadel des Feldherrn soll der Redner andere Ziele gehabt haben. Er soll versucht haben, Wallenstein als Betrüger darzustellen, der nur nach der Verwirklichung seiner eigenen Ziele strebt, und dazu betrügt er sowohl seinen Kaiser als auch seine Männer. Aber mit der Neckerei der Soldaten hat er nicht gerechnet, daß sie sich so fest für Wallenstein entschlossen haben, deshalb ist es ihm nicht gelungen, sie zu überzeugen. Es mag seine Intention gewesen sein, mit dieser Charakterisierung die entgegengesetzte Wirkung zu erreichen, also daß die Krieger ihre Meinung über ihren ‚Führer‘ verändern und die kaiserliche Partei freiwillig wählen.

4.3 Ornatus [35] (Schmuck) [36]
Dieser Teil der Analyse ist von besonderer Bedeutung, weil durch die gewählten Wörter und Wortverbindungen der Charakter des Herzogs am eindeutigsten beleuchtet wird.
Das Kapitel besteht aus zwei weiteren Teilen. Die Grenzlinie bildet die sog. Staatskörpermetapher, nach der die Rede von den betrunkenen Soldaten unterbrochen wird.
Wie es schon erwähnt worden ist, beginnt die eigentliche Beschreibung der Figur im zweiten Teil der Rede. Da in dieser Arbeit die rhetorische Analyse in Dienst der Figurencharakterisierung gestellt worden ist, wird der zweite Teil der Rede ausführlicher bearbeitet und analysiert. Die zwei Einheiten der Rede stehen aber in einer kausalen Beziehung zueinander [37], deshalb muß die erste Passage auch kurz analysiert werden.
Der Mönch beginnt die Rede mit Ausrufen, um seinen Auftritt klar zu machen. Mit dieser ‚Einleitung‘ wird die Tätigkeit der Soldaten gestört, weil dies das Vorhaben des Redners war. Durch die folgenden rhetorischen Fragen zieht der Kapuziner die Aufmerksamkeit auf sich, und er fasst in diesen Fragen zusammen, worüber er sprechen will. Diese Einleitung erfolgt in den ersten elf Zeilen. Nach der Einführung werden die Soldaten wegen des Tanzes und des Trinkens beschimpft. Die Beschimpfungen werden mit einem Wortspiel, mit der Paranomasie [38]ausgedrückt.

Kapuziner. […]
Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,
Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,
Hetzt sich lieber herum mit der Dirn‘,
Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn. […] /V.500-503/

Die Paranomasie bringt Ironie und Spott, und das unerläßliche Mittel der Ironie, die Übertreibung zum Ausdruck. Die Verarmung und der Eintritt des Greuels werden auch durch die Paranomasie beschrieben, aber jetzt hat sie keinen ironischen, sonder einen erschreckenden Ton. Diese Erschreckung will die Metapher „Die ganze Welt ist ein Klagehaus“ /V.512/ und „Die Arche der Kirche schwimmt in Blute“ /V.513/ vertiefen, die zwar in dieser Gestaltung übertreibend wirken, aber in einem solchen Fall können sie auch affektische Wirkungen ausüben. Daß die Soldaten keine Gotteslästerung begehen dürften, wird in Form eines langen und komplizierten Vergleichs ausgedrückt voll von biblischen Namen. Mit dem Kriegsverbrechen, der Ausplünderung usw. werden die Körperteile der Raubvögel assoziiert: „Vor euren Klauen und Geiersgriffen“ /V.584/.
Was in der ganzen Rede die Sprachrichtigkeit anbelangt, haben die lateinischen Wendungen und die biblischen Namen eine Rolle. Alle lateinischen Sätze sind Fragen, von denen nur einige übersetzt werden. Man stellt sich die Frage: Warum benutzt der Redner so komplizierte Äußerungen, zu deren Verständnis eine hohe Geistesbildung erforderlich wäre? Und warum benutzt er immer wieder die biblischen bzw. historischen Namen? Obwohl die rhetorischen Mittel in dieser Situation unangemessen sind, machen sie die ganze Rede gehoben und stilistisch farbenreich, sie kann also einem hohen Stil zugeordnet werden [39]. Diese Ausdrucksmittel haben zwei Funktionen: eine dynamisierende und eine mit dem Ethos zusammenhängende Funktion [40] Durch die Einsetzung der gehobenen Sprache bekommt die Rede eine gewisse Dynamik, die mit alltäglichen Wörtern kaum erreicht werden könnte.
An dieser Stelle wird die eigentliche Figurencharakterisierung analysiert, die mit der Einfügung der Staatskörpermetapher [41] ihren Lauf nimmt.

Kapuziner. […]
Aber wie soll man die Knechte loben,
Kömmt doch das Ärgernis von oben!
Wie die Glieder, so auch das Haupt!
Weiß doch niemand, an wen der glaubt! […] /V.591-594/

In den zitierten vier Zeilen wird der Hauptgedanke der Rede formuliert. Die Metapher „Knecht“, deren Bedeutung einen Befehlshaber, einen Herrn dem sie folgen müssen bzw. folgen wollen, voraussetzt, bezieht sich auf die Soldaten. Im Vers 492 wird ein Versuch unternommen, die Krieger von den Sünden freizusprechen, für die nur das „Haupt“ verantwortlich ist, aber dieser Versuch scheitert. Der Vers 493 könnte als eine Synekdoche analysiert werden, wenn sie sich nicht auf den ganzen Soldatenstaat [42] beziehen würde, wo die Soldaten die „Glieder“, der Herzog das „Haupt“ wären. Eben deshalb läßt sich diese Beziehung als eine Staatskörpermetapher bezeichnen, weil das Haupt, anders gesagt das Gehirn die einzelnen Glieder und damit den ganzen Körper – der in diesem Falle die Armee und der Staat wären – führt, lenkt bzw. steuert. Mit der Metapher wird auch ein kausales Verhältnis repräsentiert, beide Organe benötigen das andere, um leben und funktionieren zu können [43].
Im Vers 494 wird auf eine Gemeinsamkeit zwischen den Soldaten und Wallenstein aufmerksam gemacht: beide wissen es nicht, woran sie glauben. Das ist aber nicht nur eine Gemeinsamkeit oder Parallelität, sondern die erste wichtige Information über den Friedländer. Der Glaube des Herzogs wird hier befragt und bezweifelt, der als die erste Erscheinung der Problematik des Sternenglaubens aufgefasst werden kann. Dieser Unglaube ist eine ‚Fehlhandlung‘ im Auge des Redners, weil wir in der Periode der Religionskriege sind, wo die Macht des Kaisers von Gott kommt. Und wenn jemand an Gott nicht glaubt, dann akzeptiert er die Herrschaft des Kaisers auch nicht, dieser Unglaube bedeutet also einen Verrat. Die Kausalität, die hier formuliert wurde, bewegt die Soldaten zum Nachdenken, das am Ende des Teiles zu ihrem Entschluß führt.
Zusammenfassend ist es zu behaupten, daß diese Metapher eine zentrale Funktion in der Rede hat, weil sie ausdrückt, daß die Soldaten mit Friedland aufeinander angewiesen sind. Zur Funktion gehören noch zwei weitere Komponenten: Die eine ist, daß dieses einzige Mittel im Stande ist, die Aufmerksamkeit der Krieger zu erwecken. Die andere hat die Wirkung, daß die Rede unterbrochen wird, das Publikum also aus der Passivität heraustritt und die falsche Reaktion des Sprechers zu seinem Versagen führt.
Die Zwischenrufe des Zweiten Jägers und seine Warnung machen es klar, daß die Rede eine andere Wirkung auslöste, als sie beabsichtigte. Auf seine Aufforderung, den Herzog nicht zu beschimpfen, reagiert der Redner unangemessen: er beginnt Wallenstein noch heftiger ‚anzufechten’. Dann fängt ein ziemlich komischer Dialog zwischen den beiden Parteien an. Die Aufforderungen der Soldaten nimmt der Redner nicht ernst, und führt seine Beschimpfungen weiter, die zu seinem Verjagen führen. Aber eben dieser außergewöhnliche Dialog wird von dem Interpreten als eine Charakterisierung betrachtet. Die Charakterbeschreibung erfolgt vorwiegend durch biblische Anspielungen. Der Herzog erscheint als Bramarbas, Eisenfresser, Teufelsbeschwörer und König Saul, Jehu und Holofern, ein hochmütiger Nebukadnezer und ein listiger Fuchs Herodes.
Hier könnte die Frage gestellt werden: Warum identifiziert der Redner Wallenstein mit Persönlichkeiten, von denen die Flacks – warscheinlich – nie im Leben gehört haben? Die eine mögliche Antwort wäre, daß er ein ungebildeter Redner sei, aber darauf wird im Kapitel Ethos reflektiert. Die andere Möglichkeit hat emotionale Gründe. Die untere Schicht von Wallensteins Armee mag die Namen nicht kennen, aber die Redeweise, wie diese Namen ausgesagt werden, wirken als Beleidigungen, d. h. wegen der Situation und dem Redestil des Kapuziners empfinden die Soldaten die Wörter als Beschimpfungen.
Dem gebildeten Leser reichen diese Informationen aus. Die Soldaten dürfen den Heeresführer nicht mehr als eine positive Figur ansehen, wenn er mit Verrätern und Mördern gleichgesetzt wird. Der Leser fühlt sich in einer ziemlich verwirrten Lage, weil er die Schattenseiten des Herzogs kennengelernt hat. Jetzt haben wir also zwei Beschreibungen, keine von den beiden entspricht aber seiner echten Persönlicheit. Er ist noch gar nicht auf der Bühne gewesen, so können wir diese Feststellungen nicht überprüfen.
Der Redner sagt in seiner Wortfügung „Verleugnet wie Petrus seinen Meister und Herrn“ /V.611/ exakt aus, daß der Herzog ein Verräter ist, und das ist seine Stellungnahme zu der Verräter-Problematik [44]. Obwohl Petrus in der Bibel als ein Verräter vorkommt, kann sein Verrat mit dem von Wallenstein nicht verglichen werden. Es geschieht mit den besten Rednern, daß sie etwas Unpassendes sagen, wie in diesem Fall der Kapuziner. Die Gestalt von Petrus ist in der Bibel überhaupt nicht negativ, wie z. B. die von Nebukadnezer, dieser Name unterscheidet sich also von den bisher genannten. Wenn der Pfarrer den Herzog einen ‚Judas‘ genannt hätte, hätte er seine Intention besser ausdrücken können. Mit der Aussage „Teufelsbeschwörer“ wird verstärkt, daß er sich mit falschen Mächten verbündete. Die Soldaten haben diesen Pakt – z. B. die Degenfestigkeit – positiv aufgenommen.
Obwohl die Rede mißlingt, kann der Kapuziner am Ende der Rede einen ‚Clou’ setzen, den er in Form einer Paranomasie ausdrückt:

Kapuziner. […]
Läßt sich nennen den Wallenstein,
Ja freilich ist er uns allen ein Stein
Des Anstoßes und Ärgernisses,
Und solang der Kaiser diesen Friedland
Läßt walten, so wird nicht Fried‘ im Land. /V.620-624/

In dem letzten Vers spricht der Mönch das Verhältnis zwischen dem Krieg und Wallenstein aus, und gerade dieser einzige Gedanke wird von den Kriegern akzeptiert und später besprochen. Dieser Vers ist ebenso wichtig, wie die Staatskörpermetapher, weil er das Publikum zum Nachdenken bewegt. Nur die Staatskörpermetapher und dieser Vers sind Imstande, eine rhetorische Wirkung auszuüben.
Die sprachliche Analyse hat gezeigt, daß der Mönch sich in die Verräter-Problematik einmischt, und auch Stellung nimmt. Die Untersuchung hat das Ergebnis, daß der Herzog als ein Verräter dargestellt wird, und die Darstellung von den kritisch–beleidigenden Bildern weiter verstärkt wird.

4.4 Die Ethos-Strategie [45]
In diesem Fall kann keine detallierte und ausführliche Ethos–Forschung durchgeführt werden, weil die Figur erstens nur für eine kurze Zeit auf der Bühne agiert, zweitens weil sie eine fiktive Person ist. Der Leser bekommt keine Informationen über den Kapuziner, der so schnell erscheint, wie er verschwindet. Es gibt weder in den Regieanweisungen noch in den Äußerungen der anderen Figuren einen Hinweis darauf, wie er aussieht, wie alt und gebildet er ist, und diese Mängel erschweren die Analyse.
Der Redner ist nur durch seine Worte zu charakterisieren, die nonverbalen Zeichen, Gestik, Mimik, Körperhaltung werden in der Regieanweisung nicht angegeben, nur eine einzige Information wird vermittelt, daß er die letzten Worte mit gehobener Stimme gesagt habe [46]. Es läßt sich aber vermuten, daß der Redner eine solche Rede, die vorwiegend aus Beschimpfungen besteht, nur laut äußern kann. Die Anrede konnte ausschließlich „mit erhobener Stimme“ erfolgen, weil die Männer getanzt und gesungen haben, und in dieser Situation kann die Aufmerksamkeit nur so erweckt werden.
Wie es in den vorigen Kapiteln erwähnt worden ist, benutzt der Mönch viele biblische Gestalten und lateinische Wendungen – meistens Fragen –, woraus sich zwei wichtige Schlüsse ziehen lassen. Der eine bezieht sich auf die Bildung des Mönches, der andere auf seine rhetorische Ungebildetheit. Wie alle Mönche im 17. Jahrhundert, ist er vermutlich im Bereich der Kunst und der Geisteswissenschaften bewandert, wie die Analyse der sprachlichen Formulierung bewiesen hat.
Er ist aber deshalb rhetorisch ungebildet, weil er die Situation falsch interpretierte, nämlich die singenden und betrunkenen Soldaten keinen intelligenten Pfarrer in ihren Kreisen erdulden, der den Herzog beschimpft und über den Glauben predigt. Der Kapuziner strebt bewußt danach, sich von den Soldaten durch seine Intelligenz zu unterscheiden, das sich auch in der Rede widerspiegelt. Es gehört zu seiner rhetorischen Ungebildetheit, daß er zur Verwirklichung der Intentionen – durch die Rede die Soldaten auf die kaiserliche Partei zu stellen – die entgegengesetzten Mittel gewählt hat – Störung, Predigen, hochen Stil, Beschimpfung –, und er war nicht fähig, die ausgelöste Situation zu ändern bzw. die Kontrolle wiederzugewinnen.
In der Ethos-Strategie muß noch die politische Einstellung des Kapuziners bestimmt werden, die seine Äußerungen stark beeinflusst. Auch ohne den Text zu gelesen zu haben, kann man sich darüber Gedanken machen, wie ein Mönch im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges gedacht hatte. Die Kirche übte in diesen Zeiten eine Kontrolle aus, die anhand des Glaubens eine bedeutende Macht gehabt hat. Alle Ideen, die gegen die kirchliche Moral gerichtet waren, wurden als Ketzereien bezeichnet und vernichtet. Der Kapuziner vertritt die Ideen dieser Institution, die sie auf seine eigene Art und Weise verteidigen und predigen will. Seines Erachtens ist Wallenstein ein Verräter, weil er gegen die Kirche agiert, obwohl es die Pflicht des Herzogs wäre, sie zu verteidigen. Wegen dieses Einflusses der Kirche ist der Kapuziner nur eine naive Marionettenfigur, die in seiner politischen Blindheit befangen, darüber redet, worüber er nichts weiß. Eben deshalb wirkt er, der nur als Abraham a Santa Clara [47] in die Luft redet, eher komisch als erschreckend.
In der ungarischen Fachliteratur existiert eine Deutung des Ethos des Redners, die nicht eindeutig mit Textbeispielen ünterstützt werden kann. Nach György Mihály Vajda sei der Kapuziner ein Spion der Kaiserlichen, der die Aufgabe hat, die Meinungen im Bereich der Soldaten zu sondieren [48]. Im Besitz der Ergebnisse der Analyse scheint diese Theorie übertrieben zu sein. Ein echter und schlauer Spion hätte seine Mission nich so erledigt. Aufgrund der analysierten politischen Ansichten und Vorurteilen des Pfarrers kann diese Theorie nicht akzeptiert werden.

4.5 Die Pathos-Strategie [49]
Mit diesen Mitteln haben man bisher auch zu tun gehabt, aber sie haben die entgegengesetzte Wirkung ausgelöst, die sie beabsichtigten. Der Redner versucht, die Soldaten von ihren eigenen Greueltaten zu erschrecken, um in ihnen das Schuld– und Schamgefühl zu erwecken. Das angestrebte Ziel will er so erreichen, daß er ein erschütterndes Bild über den Krieg gibt, wofür sich die Flacks schuldig fühlen müssten. Der Pfarrer apelliert also an diese zwei Gefühle, an die Scham und an die Schuld. Mit diesen übertriebenen Beschreibungen will er das Regiment dazu bewegen, die Taten wieder gut machen zu wollen, und deshalb wird die Soldateska zur kaiserlichen Partei übertreten.
Das Vorhaben war der Situation angemessen, aber der Redner hat eine wichtige Komponente im Bereich des Ethos /wie im Pathos/ außer Acht gelassen, die zu seinem Mißerfolg führte: die ‚Situativität‘. Er hätte diesen Fehler nicht begangen, wenn er die Anweisungen von Aristoteles beachtet hätte. Die einzelnen Gefühle, die er anspricht, sind sehr stark situationsgebunden. Aristoteles beschreibt im zweiten Buch seiner Rhetorik–Lehre, daß man sich nur vor gewissen Personen schämt, die man z. B. ehrt, respektiert, erkennt, usw [50]. Aber in der Gruppe, in der der Mönch seine Rede hält, gibt es keine ‚respektvollen‘ Personen, vor denen sich die Soldaten schämen sollten. Die Wirkung des Alkohols mag auch einen bedeutenden Anteil daran haben, daß die Rede das angestrebte Ziel nicht zu erreichen vermochte.
Das Ethos – und damit die ganze Agitation – des Kapuziners läßt sich als ein ‚Musterbeispiel‘ bezeichnen, wie man eine Rede nicht halten dürfte im Gegensatzt zu Marcus Antonius in Shakespeares‘ Julius Cäesar, der seine rhetorische Brilianz in der berühmten Leichenrede gezeigt hat [51].
5. Die Soladten über ihren ‚Vater‘
In den vorigen zwei Kapiteln wurden die Charakteristika des Herzogs anhand zweier subjektiever Perspektiven summiert und analysiert. Es kann mit Sicherheit festgestellt werden, daß die bisherigen Beschreibungen übertreibend wirkten. Das Gespräch der Soldaten preist den Herzog in den Himmel, die Rede des Kapuziners tadelt ihn bis zur Hölle. Die beiden Beschreibungen konzentrieren sich auf die Vergangenheit, sie bewerten die Taten Friedlands, in denen viel mehr die historischen als die politischen Ereignisse dominieren.
Im Gegensatz zu den bisher vorgeführten Meinungen und Gesinnungen hat die in diesem Kapitel behandelte Perspektive die Gegenwart zum Gegenstand, sie beschreibt die politischen Geschehnisse, wie sie diese untere Schicht in der Hierarchie sieht. Dieser Teil ist mehr realitätsbezogen als die vorigen zwei, obwohl diese Meinungen und Äußerungen nur nur Spekulationen sind.
Jetzt wird der Versuch unternommen, die Gefühle, die die Soldaten für den Friedländer hegen zu beschreiben und deren Gründe zu erforschen. Die erste Emotion ist der Stolz. Der die Uniform Friedlands trägt, soll mit den Bauern auf kein Würfelspiel eingehen, und wenn ein Bauer einen Soldat der Uniform entkleidet, wird diese Tat als eine Beleidigung beurteilt. Dem außergewöhnlichen Heer des Herzogs anzugehören bedeutet nicht nur Stolz, sondern Ehre und auch Verpflichtungen.

Erster Kürassier.
Wie? du bist ein Friedländischer Mann,
Kannst dich so wegwerfen und blamieren,
Mit einem Bauer dein Glück probieren? /V.667-669/

Es geht schon ein Gerücht im Lager über eine bevorstehende Umgruppierung um: zirka achttausend Männer Friedlands – die besten Soldaten – werden unter das Kommando des Infanten – den die Soldaten vom Herzen hassen – gestellt. Die Tatsache, daß sie den Mailanden Heeresführer hassen, bedeutet nicht unbedingt, daß sie den Herzog lieben, aber Wallenstein als Soldat bedeutet ihnen mehr, als ein ‚geiziger Mönch’.

Zweiter Kürassier.
Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
Erster Kürassier. Und absonderlich wir Wallonen.
Marketenderin.
Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen! /V.699-702/

Es gefällt den Kriegern nicht, den Herzog zu verlassen, den Mann, dem sie vieles zu verdanken haben: ihm zuliebe haben sie den Reiterdienst gewählt, und nicht wegen des Kaisers.

Zweiter Jäger.
Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
Haben wir Reiterdienst genommen?
Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,
Der Ferdinand hätt‘ uns nimmer bekommen. /V.709-713/

Der Wachtmeister sieht aber ein bißchen hinter die Kulissen, aber die ganze Wahrheit ist ihm unbekannt. Er meint schon, daß diese Umgruppierung keine strategisch–militärischen Zwecken dient, aber davon kann er nur seine eigenen Schwierigkeiten ableiten. Er sieht die Sachen nur insoweit, daß eine Umgruppierung von achttausend Soldaten die Verstümmelung der Macht des Herzogs bedeutet und für ihn und die restlichen Kräfte ist es deshalb gefährlich, weil sie die Ausplünderungen nicht weitermachen können. Als Wallenstein vor acht Jahren das Heer Zustande gebracht hatte, war er darüber vollkommen im Bilde, daß sich die Armee selbst ernähren muß, die nur auf eine Art erfolgen konnte. Mit der Schwächung des Heeres wird diese Möglichkeit zur Ernährung gefährlich und unsicher. Warum sieht der Wachtmeister nur diese Seite? Weil er vom beabsichtigten Verrat des Herzogs nichts weiß. Die Frage wird von ihm nicht gestellt, warum die Regimenter umgruppiert werden, nur die möglichen Folgen werden von ihm bewertet. Er betrachtet die Armee nicht als ein ‚Durcheinander‘ von Menschen, sondern als ein aus vielen Nationen gut organisiertes System, dessen Einheit der Herzog schuf und die von dem Kaiser nicht aufgelöst werden darf.

Wachtmeister.
Wer hat uns so zusammengeschmiedet,
Daß ihr uns nimmer unterschiedet?
Kein andrer sonst als der Wallenstein! /V.805-807/

Die Soldaten wollen diese ‚Einheit‘ nicht verlassen, die ihnen Obhut und Heimat bedeutet, egal, was der Kaiser will. Es könnte so erklärt werden, daß sie eine gewisse Notwendigkeit fühlen, dem Herzog zu dienen, um ihren Wohlstand weiter zu bewahren, der unter dem Infanten kaum möglich wäre. Es kann aber vorkommen, daß dieser Wohlstand kein Zufall ist, sondern eine getarnte Anordnung des Herzogs, die Männer zu gewinnen. Wenn diese These richtig wäre, dann hat Wallenstein gut spekuliert, die Masse steht als ein Mensch hinter ihm.

Erster Kürassier.
Verbunden können sie uns nichts schaden,
Wir stehen alle für einen Mann.
Laßt sie schicken und ordenanzen,
Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht. /V.832-837/

Aus diesem Entschluß bildet sich die Machtpolitik, die Zentralfrage des ganzen Werkes heraus, wer das Befehlskommando hat. In der folgenden Diskussion vertreten die Soldaten zwei Auffassungen, die das Thema und den Ausgangspunkt der Diskussion bilden. Der Erste Arkebusier beharrt auf seiner Meinung, daß Wallenstein nur ein Knecht des Kaisers sei im Gegensatz zu dem Trompeter, Ersten Jäger und dem Wachtmeister, nach denen die eigentliche Macht der Herzog ausübt.

Erster Jäger. Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,
Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen. /V.846-847/
Erster Arkebusier.
Der Herzog ist gewaltig und hochverständig?
Aber er bleibt doch, schlecht und recht,
Wie wir alle, des Kaisers Knecht. /V.855-858/

Der Wachtmeister nimmt die Ansicht des Arkebusiers nicht an, Friedland dient niemandem, er ist ein eigenständiger Herr wie der Herzog von Bayern; er hat das Recht auf Geldschlagen. Die Soldaten haben nur Wallenstein–Taller bei sich, die die Marketenderin als gutes Geld bezeichnet. Das bedeutet, daß der Herzog den Sold zahlt, obwohl die Krieger den ‚gut verdienten Lohn’ vom Kaiser bekommen sollten.

Trompeter.
Wer uns nicht zahlt, das ist der Kaiser! /V.883/

Und wenn sie den Befehl des Kaisers erfüllen, ist es sicher, daß sie nie im Leben ausgezahlt werden. Man zur vereinfachten Feststellung: Wer Wallenstein wählt, wählt das Geld. Aber nicht nur der Sold ist der einzige Grund dafür, warum sie beim Herzog bleiben wollen. Sie machen sich Gedanken über ihre eigene Zukunft, die sie kaum idyllisch vorstellen.

Erster Kürassier.
Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,
Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug. /V.918-920/

Diese Zeilen deuten darauf hin, wenn der Krieg einmal ein Ende hat, werden sie keine Möglichkeit haben, ein normales Leben zu beginnen und zu führen. Die Umgruppierung würde die ‚Vernichtung‘ ihrer Hoffnungen bedeuten, deshalb widersetzen sie sich dem Befehl des Kaisers, weil sie das Land nicht verlassen und voneinander nicht getrennt werden wollen.

Erster Kürassier.
Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
Wir haben‘s Heft noch in der Hand;
Lassen wir uns auseinandersprengen,
Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
Erster Jäger.
Nein, das darf nimmermehr geschehn!
Kommt, laßt uns alle für einen stehn. /V.996-1001/

Warum haben die Soldaten Mut dazu, sich zu widersetzen? Weil sie darüber überzeugt sind, daß die Armee den Kaiser und die einzelnen Herrscher groß gemacht hat.

Erster Kürassier.
Ist denn darüber Zank und Zwist,
Ob der Kaiser unser Gebieter ist?
Eben drum, weil wir gern in Ehren
Seine tüchtigen Reiter wären,
Wollen wir nicht seine Herde sein,
Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
Herum lassen führen und verpflanzen.
Sagt selber! Kommt‘s nicht dem Herrn zugut,
Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
Wer anders macht ihn als seine Soldaten
Zu dem großmächtigen Potentaten?
Verschafft und bewahrt ihm weit und breit
Das große Wort in der Christenheit? /V.888-900/

In den damaligen Zeiten wäre dieser Gedanke ‚ketzerisch’ gewesen, weil er eine neue Auffassung propagiert. In dieser Konzeption kommt nicht mehr die Determiniertheit des Menschen vor, sondern sie beinhaltet die Entdeckung, daß die Armee – mit ihren Mitgliedern – den Kern der Macht bilden. Diese Tatsache, daß sie ihre ‚Kraft‘ entdeckt haben, ermöglicht ihnen die Alternative der freien Wahl. Warum sollten sie einem solchen Herrn dienen, von dem sie nichts bekommen, wenn der andere nicht nur den Wohlstand sichert, sondern auch Geld gibt, ihn zu genießen?
Die Soldaten wollen ihre Entschlüsse schriftlich – in Form eines ‚Pro memoria‘ – festhalten. Ob das geschieht oder nicht, wird weder in diesem noch in den anderen Teilen der Trilogie genannt, aber diese Tatsache hat keine Wirkung auf die dramatische Handlung. Es ist aber umso wichtiger, daß sie sich für den jüngeren Piccolomini, Max entscheiden, der sie voll von Enttäuschung und Liebeskummer im Namen des Kaisers (!) im dritten Teil der Trilogie – all ihre Pläne, Hoffnungen und Bestrebungen vernichtend – in den Tod führt.

Erster Kürassier.
Also laßt jedes Regiment
Ein Pro memoria reinlich schreiben:
Daß wir zusammen wollen bleiben,
Daß uns keine Gewalt noch List
Von dem Friedländer weg soll treiben,
Der ein Soldatenvater ist. /V.1029-1034/
/hervorgehoben von mir: Z.K./

Aus der Perspektive der Charakterisierung bildet den wichtigsten Punkt die Bezeichnung „Soldatenvater“, die am eindeutigsten die Figur des Herzogs beschreibt und das am besten die Gefühle der Soldaten zeigt. Die Bedeutung dieses Kompositums sagt aus, daß Wallenstein seinen Männern nicht nur einen Vater bedeutet, der ihnen Obhut und Wohlstand sichert, sondern er ist auch ein Soldat, also er hat ein Charakteristikum, das mit ihnen übereinstimmt. Eben wegen dieser Eigenschaft stehen ihm seine Krieger näher, als dem Herrscher, der – warscheinlich – nicht einmal eine Schlacht gesehen hat, geschweige denn wüßte, wie das militärische System funktioniert. Der Herzog nahm an Feldzügen teil, seine Männer haben ihn kämpfen gesehen /z. B. die Situation, in der man ihn ‚kugelfest‘ sah/, und sie haben die Möglichkeit gehabt zu erleben, wie er zum mächtigen Feldherrn aufgestiegen ist.
Das analysierte Bild verfügt auch über idealisierte Züge. Diese Verschönerung kann darauf zurückgeführt werden, daß sie mit dem Herzog nicht in engem Kontakt stehen, seine Figur bildete sich aus den ‚Legenden‘ des Lagers heraus. Dieser dritte Teil zeigt viel mehr von den Spuren des echten Charakters, als die vorigen zwei, aber sie decken die Informationen nicht, die in den Piccolomini und Wallensteins Tod vorkommen. Diese Kenntnisse verstärken die Bemerkung, daß im Falle Wallensteins Lager über keine ‚Charakterexposition‘ gesprochen werden kann. Wie gesagt, die Soldaten wissen nicht, warum der Herzog mit dem Kaiser im Konflikt steht. Der Friedländer betrachtet die Armee als sein Eigentum, sie ist nicht mehr, als ein Mittel, seine Ziele zu erreichen.
Der Entschluß der Soldaten war nicht von der idealisierten Figur des Herzogs motiviert, sondern sie wurden viel mehr von ihren eigenen Interessen und Bedürfnissen dazu bewegt, so eine Entscheidung zu treffen. Die ‚sympathische– und väterliche‘ Seite des Herzogs hat die Wahl nur leichter gemacht.
6. Summierung. Versuch einer Charakterinterpretation
In diesem letzten Kapitel werden die während der Analyse festgestellten Faktoren zusammengefasst und versucht, auf die aufgetauchten Fragen eine Erklärung zu finden.
In der Fachliteratur wird der Charakter des Herzogs in dem Gesamtwerk analysiert und interpretiert, sie legen mehr Wert auf jene Eigenschaften, die von dem Friedländer selbst zu erkennen sind. Die meisten Studien begnügen sich damit, den Charakter im Lager durch die zwei Perspektiven zu deuten. Die vorliegende Arbeit wählt eine neue Annäherungsmethode zur Charakterdeutung: sie analysiert die Figur des Herzogs nur anhand Wallensteins Lager.
Obwohl Wallenstein selbst in diesem Drama nicht auftritt, ist sein ‚Schattenbild‘ „[…] der geheime und offene Bezugspunkt aller Gespräche und Aktionen.“ [52] Der Leser erkennt ihn aus zwei Spiegeln, von denen beide trügen [53]. Er wird von subjektiven Meinungen und Überzeugungen aus beschrieben, von den Soldaten und von dem komisch auftretenden Pfarrer. Die zwei entgegengesetzten Perspektiven beziehen sich auf die Verwicklung und auf die Ambivalenz des Charakters in den anderen zwei Teilen der Trilogie, aber sie können als keine Charakterexposition angesehen werden, wie im dritten Kapitel schon erörtert wurde. In der rhetorischen Analyse ist schon erwähnt worden, was für Gründe den Pfaff dazu bewogen haben, Friedland so negativ zu gestalten? und jetzt wird auf die Perspektive der Soldaten konzentriert und die Ergebnisse der Analyse noch einmal überprüft.
Der Fürst wird von seinen Kriegern als eine charismatische und legendenhafte Persönlichkeit dargestellt, die sich mit falschen Mächten verbündete, um mächtig werden zu können. Worauf kann seine Größe in den Augen der Soldaten zurückgeführt werden? Wallenstein „[…] verkörpert den neuen Typ eines Feudalherrn, der im Kriege rasch emporsteigt“ [54], und eine beneidenswerte Karriere im Krieg gemacht hat. Er hat sich selbst groß gemacht im Gegensatz zum Kaiser, der wegen der feudalen Gesetze auf dem Tron sitzt. Eine so schnelle Karriere war in dem determinierten Feudalismus fast unmöglich, Wallenstein gehörte zu den wenigen in der Geschichte, denen sowas gelungen ist. Diese ‚Seltenheit‘ kann die Ursache sein, daß seine schnell emporsteigende politische – also öffentliche – Laufbahn auf solche Art erklärt wird, welche in seinen Männern Bewunderung hervorrief. Er kommt als ein Vorbild im Werk vor, aber nicht nur wegen seiner idealiserten Eigenschaften und charismatischen Persönlichkeit, sondern wegen seiner politischen Erfolge. Der rasche Emporstieg des Herzogs weist nicht mehr auf die Determiniertheit des Menschen hin, sondern die Möglichkeit zur persönlichen Aufhebung, den Durchtritt der feudalen Grenzen. Die Soldaten verehren deshalb den Friedländer, weil er aus eigener Kraft emporgestiegen ist, und sein Charakter wurde wegen dieser ungewöhnlichen Aufhebung idealisiert. Es verstärkt nur seine Größe, daß er einmal ein Soldat war und zum Oberbefehlhaber wurde, also er verkörpert die Hoffnungen und Träume der damaligen Soldateska.
Im Lager kommt die ‚Machtfrage‘ das erste Mal vor, die einen wesentlichen Bestandteil des Gesamtwerkes bildet. Die Frage beinhaltet das Zentralproblem der Trilogie: ‚Wem gehört das Heer?‘ Diese Frage bildet aus dem Grunde das Zentralproblem des Dramas, weil man mit deren Beantwortung den Fürsten entweder zum Verräter stempelt oder von der Sünde des Verrat freispricht. Es ist deshalb so, weil das Heer die Grundlage der Macht bildet [55], worüber sowohl Wallenstein als auch Ferdinand vollkommen im Bilde sind. Schon in diesem ersten Teil geht es hinter den Kulissen um das Ringen der beiden, die Armee zu gewinnen. Der Kaiser will das Ziel durch eine Umgruppierung, der Herzog durch den doppelten Lohn und den gesicherten Wohlstand erreichen. Die vereinfachte Formel sieht also folgendermaßen aus: Wer das Heer hat, hat auch die Macht.
Die Beantwortung der Frage‚‘Wem gehört das Heer?‘ ermöglicht zwei Alternativen. Wallenstein allein hat das Heer auf eigene Kosten Zustande gebracht, er hat die heimatlosen Soldaten zu einer übernationalen Armee zusammengeschmiedet, und er ernährt jetzt sein „Reich von Soldaten“ /Lager Z.326/, also im Prinzip bildet ‚seine Schöpfung‘ sein Eigentum. Man darf aber nicht außer Acht lassen, daß er dem Kaiser Eid schwur, der an der Spitze der feudalen Hierarchie stehenden Person, deren ‚Religionskrieg‘ die Kirche unterstützt. Diese Tatsache zeitigt also die ‚peinliche Situation’, daß nach den feudalen Regeln der Kaiser über das Heer verfügt. Es ist nicht egal, welche Alternative gewählt wird. Wenn die zeitlichen Verhältnisse siegen, dann ist Wallenstein ein Verräter, weil er mit dem Heer des Herrschers einen Verrat begehen will. Aber wenn die Armee als das Eigentum des Herzogs angesehen wird, ist er kein ‚Angeber’, sondern ein freier Mensch, der mit seiner Macht das tut, was er will.
Die ‚Wem gehört das Heer?‘ Problematik bestimmt einen wichtigen Punkt in dem Gesamtwerk: Die Beziehung zwischen Friedland und Ferdinand. Es ist eine logische Bestrebung von den beiden, daß sie um die Armee ringen, weil die Macht allein auf ihr basiert. Wie die Analyse zeigt, „[...] [wird] im Lager wie in den Piccolomini Wallenstein eindeutig dem Kaiser gleichgestellt, ja übergeordnet. Wallenstein genießt nicht nur die Privilegien wie der Kaiser, sondern er ist auch der Garant des Kriegsglücks und damit der freien Existenz der Soldaten? nur ihm fühlen sie sich eidpflichtig.“ [56] Wie hier zu sehen ist, wird der Herzog von dieser unteren Schicht [57] dem Kaiser übergeordnet, wie die Aussage Questenbergs in den Piccolomini zeigt: „Hier ist kein Kaiser mehr, der Fürst ist Kaiser!“ /Piccolomini, I/3. V.294/
Im Lager wird Wallenstein nicht als ein Knecht des Herrschers angesehen, sondern als ein eigenständiger Herr, dem die Armee gehört. Dadurch, daß die Soldaten das Heer als das Eigentum von Wallenstein ansehen, betrachten sie ihn nicht als Verräter.
Aber warum sehen die Soldaten die Persönlichkeit des Herzogs so, daß sie ihre Loyalität zu ihm in einem Pro memoria festhalten wollen? Erstens weil sie glauben, daß sie mit ihm gemeinsame politische Ziele haben, zweitens weil sie in ihm ihre Möglichkeit zur Aufhebung sehen [58] /das Beispiel Buttlers/. Aus ihrer Perspektive betrachtet ist diese Lösung ganz logisch, weil sie glauben, daß der Krieg dem Herzog nützt, seine Stärke zu vergrößern. Diese ‚blinde Masse‘ kann aber die größeren politischen Zusammenhänge nicht durchschauen, deshalb kommen sie auf so eine Schlußfolgerung. Wallensteins politische Bestrebungen und Ziele sind ebenso widerspruchsvoll wie sein ganzer Charakter. Nach der Meinung Gert Uedings besteht das Endziel Wallensteins in einer neuen europäischen Friedensordnung [59], die in Octavios Äußerung in den Piccolomini aufzufinden ist.

Octavio. […]
Nichts will er, als dem Reich den Frieden schenken,
Und weil der Kaiser diesen Frieden haßt,
So will er ihn - er will ihn dazu Zwingen! /Piccolomini, V/1. V.2333-2335/

Es besteht also ein Widerspruch zwischen den beiden vermeintlichen politischen Zielen des Herzogs, über die die verschiedenen Schichten verfügen. Es ist also ein bestimmender Faktor, daß die Soldaten davon überzeugt sind, daß das wichtigste Ziel des Herzogs in der Fortführung des Krieges besteht, weil sie wegen dieses Glaubens in einer totalen politischen Blindheit leben. Von ihnen wird der „Soldatenvater“ /Lager, V.1034/ charakterisiert, deshalb ist es kein Wunder, daß das ‚Spiegelbild‘ trügt.
Ich hoffe, daß es mir in diesem kurzen Interpretationsversuch gelungen ist, auf die aufgetauchten Fragen eine Antwort zu finden und die ‚Schattenseite‘ dieses ambivalenten und widersprüchlichen Charakters zu erhellen bzw. die Wichtigkeit des Lagers hervorzuheben.

[1] Koopmann, Helmut: Friedrich Schiller. Bd. 2. 1794-1805. – 2., erg. u. durchges. Aufl. – Stuttgart: Metzler 1977.
[2] Ausführlicher bearbeitet im Kapitel 2: Über die Funktion des Lagers in der Trilogie.
[3] Vgl. Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse. – 3., durchges. u. erg. Aufl. - Stuttgart: Metzler 1990. S.90ff. (zitiert wird: Asmuth (1990): Seitenzahl.)
[4] Wiese, Benno von: Schiller Wallenstein - In: Wiese, Benno von /Hrsg/: Das deutsche Drama: Vom Barock bis zur Gegenwart. Band I. - Düsseldorf: August Bagel 1980. S. 272. (Zitiert wird: Wiese (1980): Seitenzahl.)
[5] Vgl. Hinderer, Walter: Wallenstein. - In: Hinderer, Walter /Hrsg./: Interpretationen Schillers Dramen. - Stuttgart: Reclam 1989. S. 218. (Zitiert wird: Hinderer (1989): Seitenzahl.)
[6] Vgl. Albrecht, Günther: Erläuterungen zur deutschen Literatur: Klassik. Berlin: Volk und Wissen, 1962 S. 373. (Zitiert wird: Erläuterungen (1962): Seitenzahl.)
[7] Vgl. Ueding, Gert: Klassik und Romantik. Deutsche Literatur im Zeitalter der Französischen Revolution 1789-1815. – München-Wien-usw.: Hanser 1987. S. 223. (Zitiert wird: Ueding(1987): Seitenzahl.)
[8] Eine Ausnahme bilden die Äußerungen des Ersten Jägers, aber darauf wird später reflektiert.
[9] Schiller, Freidrich: Wallensteins Lager. – In: Friedrich Schiller. Werke. Band 8. – Weimar: Hermann Böhlhaus 1949. (Nationalausgabe). (Im folgenden wird nach den Zitaten aus dem Primärtext nur die Verszahl in Klammern angegeben.)
[10] Diese Verse bilden das Fundament für die Überzeugung in der Machtfrage.
[11] Hinderer (1994): S. 44.
[12] In der ungarischen Nachdichtung von Lajos Áprily wurde nur diese Möglichkeit wiedergegeben: „Nem árt neki a legvadabb tusa.“ S. 28. In: Schiller, Friedrich: Wallenstein tábora. – In: Schiller, Friedrich: Drámák. Ford.: Áprily Lajos. - Budapest: Európa 1980.
[13] Ausführlicher beim Ethos
[14] Zitiert nach Pfister, Manfred: Das Drama. 8. Aufl. - München: Fink 1994. S. 212. (Zitiert wird: Pfister(1994): Seitenzahl.)
[15] Vgl. ebenda
[16] Die Logos-Strategie – oder anders genannt ‚Redegegenstand‘ – „[…] will durch ein parteiliches Eingehen auf den vorliegenden Sachverhalt überzeugen […]“. /Pfister: S. 213./ Durch diese Strategie werden die intellektuellen Kräfte des Publikums angesprochen. Der Apell an die Einsicht des Publikums erfolgt durch informatives Belehren oder als argumentatives Beweisen. /Vgl. Göttert: S. 22./ In der Rede des Pfarrers kommen beide Komponenten vor.
[17] Vgl. Plett, Heinrich F.: Einführung in die rhetorische Textanalyse. 8. Aufl. - Hamburg: Buske 1991. S. 15. (Zitiert wird: Plett (1991): Seitenzahl.)
[18] ebenda
[19 ebenda
[20] Vgl. Göttert, Karl-Heinz: Einführung in die Rhetorik. 2., verb. Aufl. – München: Fink 1994. S. 17. (Zitiert wird: Göttert (1994): Seitenzahl.)
[21] Vgl. Plett (1991): S. 16.
[22] ebenda
[23] Diese Feststellung wird am Ende dieses Kapitels erörtert.
[24] Vgl. Plett (1991): S. 16.
[25] ebenda
[26] ebenda
[27] Ausführlicher beim Pathos
[28] Plett (1991): S. 26.
[29] Hinderer (1994): S. 38.
[30] Ausführlicher beim Pathos
[31] Vgl. Göttert (1994): S. 32.
[32] Vgl. Arisztotelész: Rétorika. Ford.: Adamik Tamás. – Budapest: Thélosz 1999. S. 14ff. (Zitiert wird: Arisztotelész (1999): Seitenzahl.) und Göttert (1994): S. 32.
[33] Vgl. Plett (1991): S. 16.
[34] Diese Metapher bzw. die Funktion der Metapher wird beim Schmuck mit besonderer Aufmerksamkeit bearbeitet.
[35] Vgl. Plett (1991): S. 16.
[36] „Der sprachliche Schmuck stellt ohne jede Frage das meistabgehandelte Kapitel der Rhetorik dar – und ist zugleich dasjenige, das die größte Verachtung auf sich gezogen hat.“ /Göttert: S. 44./ In meiner Arbeit bekommt er auch eine große Rolle. In der Geschichte dieser Disziplin kann man beobachten, daß die rhetorischen Schulen die sprachlichen Erscheinungen im Bereich des Schmucks je anders benannt haben. (Aristoteles bezeichnete als einzigen Schmuck die Metapher im Gegensatz zu Herrenius, der mehr als vierundsechzig voneinander unterschied.) In meiner Terminiverwendung möchte ich mich anhand von Göttert an Lausberg halten. Diese Analyse hat nicht das Ziel, eine vollständige rhetorische-sprachliche Analyse des Schmucks zu geben, sondern sie versucht diese sprachlichen Erscheinungen nur soweit zu beschreiben, wie sie mit der Charakterisierung von Wallenstein zusammenhängen.
[37] Siehe im Unterkapitel: Struktur
[38] Vgl. Göttert (1994): S. 54.
[39] Vgl. Göttert (1994): S. 68.
[40] Die zweite Funktion wird im Kapitel Ethos beschrieben.
[41] Im Rom des Altertums wurde von Menenius Agrippa, von dem Boten der Patrizier vor dem plebejischen Senat eine Rede gehalten /509 v. Chr.?/, in der er den Staat mit dem menschlichen Körper identifizierte. Eine ähnliche Identifizierung erscheint in der Rede des Kapuziners, deshalb würde ich diese Fügung als Staatskörpermetapher bezeichnen. In: Livius, Titus: Die Anfänge Roms. Römische Geschichte I-V. – Übersetzt von Hans Jürgen Hillen – München: Deutscher Taschenbuchverlag 1991. S. 158.
[42] Hinderer (1994): S. 38.
[43] In der Menenius Agrippa-Fabel in der Erzählung von Livius wird mit der Beziehung zwischen den einzelnen Organen und dem Magen argumentiert.
[44] Diese Problematik wird im Kapitel: Summierung. Versuch einer Interpretation bearbeitet.
[45] „Die Ethos-Strategie beruht auf dem Herstellen der Zuverläßigkeit und Glaubwürdigkeit des Sprechers, der seine eigene moralische Integrität oder seine sachliche Autorität zum Hauptargument für die Richtigkeit seiner Ansichten macht.“ /Pfister: S. 213./ Der Sinn der Analyse des Ethos wäre also, zu bestimmen, wer der Mann ist, der den Herzog charakterisiert. Zum Ethos gehören der Charakter des Redners, seine Bildung, sein Alter, die äußeren Charakteristika und die inneren Eigenschaften, weil sie die ganze Einstellung des Redners zur Rede und die des Publikums zum Redner bestimmen können.
[46] „Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener Stimme spricht […]“ /V.625/
[47] Vgl. Wiese (1980): S. 273.
[48] Vgl. Vajda, György Mihály: Schiller. - Budapest: Muvelt Nép 1953. S. 144.
[49] „Die Pathos-Strategie […] ziehlt unmittelbar auf die Erregung der Affekte des Hörers ab: durch das Aufwühlen heftiger Emotionen soll er zur Identifikation mit der Position des Sprechers gebracht werden.” /Pfister: S. 214./ Pathos dient zum Erregen der Leidenschaften des Zuhörers. /Vgl. Göttert: S. 23./ Zur Pathos-Rhetorik gehören solche sprachliche Techniken, wie z. B. der durch Tropen und Figuren überhöhte Stil, oder die rhetorischen Fragen. /Vgl. Pfister: S. 213./
[50] Vgl. Arisztotelész (1999): S. 97.
[51] Vgl. Pfister (1994): S. 213.
[52] Ueding (1987): S. 224.
[53] Vgl. Dániel, Anna: Schiller világa. - Budapest: Európa 1988. S. 196. (Zitiert wird: Dániel (1988): Seitenzahl.)
[54] Erläuterungen (1962) S. 378.
[55] Vgl. Hinderer (1989): S. 219.
[56] Hinderer (1994): S. 38.
[57] Vgl. Hinderer (1989): S. 218.
[58] Vgl. Dániel (1988): S. 200.
[59] Vgl. Ueding (1987): S. 225.


 
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